Mitarbeitermotivation in Krisenzeiten

von Jürgen Renz

In diesem Beitrag schauen wir uns näher an, was eine Krise in uns Menschen auslösst. Welche Phasen jeder Mitarbeiter und selbstverständlich auch jede Führungskraft dabei durchläuft und wie Sie Ihre Mitarbeiter dabei unterstützen und bestärken können. Für die einzelnen Phasen der Krisenbewältigung lehnen wir uns an das Modell „Haus der Veränderung“ an. Dieses Modell findet bereits seit Jahren seinen Einsatz in Change-Projekten und leistet dort wertvolle Hilfestellung für Führungskräfte.

Definition Krise allgemein: Schwierige Lage, die den Höhe- /Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt.

Definition Krise Mensch: Eine Krise ist eine schwierige Situation, die ein Mensch augenblicklich nicht bewältigen kann. Er kann dafür auf keinen eigenen Erfahrungsschatz zurückgreifen, die zur Lösung der Krise führen.

Mitarbeitermotivation in Krisenzeiten anhand der Krisenphasen

Werfen wir einen Blick auf ein Team inklusive seiner Führungskraft, werden wir recht unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Werten etc. erkennen. Ganz wichtig ist es für die Führungskraft zu erkennen, dass nicht alle Mitarbeiter im selben Tempo und gleicher Intensität die Krisenphasen durchlaufen.

Die Führungskraft selbst ist in der Regel schon in einer weiteren Phase, als die meisten Mitarbeiter. Entscheidend ist die Kenntnis, dass ausnahmslos jeder keine der einzelnen Phasen überspringen kann. Jeder Wechsel der Phasen ist mit Konflikten, Ängsten und Sorgen verbunden. Während sich einzelne Mitarbeiter noch in der Phase der (Noch-)Zufriedenheit festkrallen sind andere Mitarbeiter schon in der Phase der Verwirrung.

Die Krisenphase der Zufriedenheit

Die Krise wird von den Mitarbeitern nicht ernst genommen, man hält gerne an Bekanntem und Bewährten fest. Auf bekanntem Terrain fühlt der Mitarbeiter sich (selbst)sicher und eigenbestimmt handlungsfähig. Eine ihm bekannte wohlfühlende Atmosphäre.

Mit diesen typische Aussagen, am Beispiel Corona-Krise, erkennen Sie, dass sich der Mitarbeiter noch in dieser Phase befindet:

„Die Vogelgrippe ist auch an uns vorbei gegangen…“

„Irgendwann wird es schon wieder verschwinden…“

„Wird ja alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird…“ etc.

Ihre Aufgabe zur Mitarbeitermotivation in Krisenzeiten besteht in dieser Phase Ihre Mitarbeiter auf unablässlich anstehende Veränderungen (Kurzarbeit, Streichungen, Homeoffice (wer darf wann) oder auch Stellenstreichungen etc. durch eine offene Kommunikation vorzubereiten. Achten Sie darauf, dass Sinn und Zweck der anstehenden Maßnahmen plausibel und nachvollziehbar für die Mitarbeiter vermittelt wird.

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Mitarbeitermotivation in der Krisenphase der Ablehnung

Das ist sicherlich eine der, für die jeweilige Führungskraft, herausforderndsten Phasen. Wut Trotz, Frustration und Widerstand treten häufig auf. Die Notwendigkeit zur Veränderung wird (noch) abgelehnt und verweigert. Mit diesen typische Aussagen, am Beispiel Corona-Krise, erkennen Sie, dass sich der Mitarbeiter noch in dieser Phase befindet:

„Sollen doch die in Kurzarbeit, die dafür verantwortlich sind..“

„Ohne mich, auf meine Prämie bestehe ich..“

„Warum kann die Abteilung XY ins Homeoffice und wir nicht…“ etc.

Konkrete Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation in dieser Phase sind u.a.:

  • Aufzeigen, was passiert, wenn wir uns (im Gesamten) nicht ändern und
  • was passiert mit Dir (dem Einzelnen) wenn er nicht mitgeht
  • Konkrete Unterstützung anbieten, um durch die Krise zu gehen
  • Kurzfristig erreichbare Teilziele aufzeigen, die den Erfolg der Schritte verständlich aufzeigen etc…

Versetzen Sie sich in die jeweilige Lage der einzelnen Mitarbeiter. Drücken Sie Verständnis aus für die individuellen Sorgen und Nöte (z.B. weniger Geld durch Kurzarbeit, Kinderbetreuung etc…). Achten Sie darauf, trotz der Krisensituation nicht nur negative Nachrichten zu verbreiten.

Ihre optimistische Grundeinstellung hilft auch Ihren Mitarbeiter.

Achtung! In dieser Phase können Mitarbeiter zu Totalverweigerern werden. Holen Sie sich für diesen Fall Unterstützung/Hilfe (int./ext. Coach/Mediator o.ä.), denn alleine wird der Mitarbeiter aus dieser Totalverweigerung nicht mehr herauskommen. Im schlimmsten Fall ist eine Trennung vom Unternehmen unausweichlich.

Die Krisenphase der Verwirrung

In dieser Phase wechseln die Stimmungen im Team, auch von den einzelnen Teammitgliedern häufig. Große Angst vor dem Verlust des Bekannten und dem Neuen, was die Mitarbeiter erwartet, gepaart mit einem Wechselbad aus Unsicherheit, Hilflosigkeit, Sorgen aber auch Zuversicht und Hoffnung in das Neue verursachen erheblichen Stress bei uns Menschen.

Dieser Stress kann sich auch negativ auf die Stimmung im Team und zwischen den einzelnen Teammitgliedern auswirken. Gleichzeitig blockiert er die Leistungsfähigkeit des Einzelnen. Mit diesen typische Aussagen, am Beispiel Corona-Krise, erkennen Sie, dass sich der Mitarbeiter noch in dieser Phase befindet:

„Die Neu-Ausrichtung wäre ja zu gut, was aber wenn Corona…“

„Würden die mal Mitarbeiter fragen, die sich mit Krisen auskennen…“

„ Die neuen Ideen zur Bewältigung unserer Umsatzeinbrüche sind ja ganz gut, aber in der Praxis…“

„Natürlich müssen wir was ändern, aber doch nicht so…“

Konkrete Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation in dieser Phase sind u.a.:

  • Mit Verständnis, empathisch auf die jeweilige (Stimmungs-)Situation eingehen
  • (Nochmals) Gemeinsame Feedbackregeln im Team, gerade bei Kritik in Erinnerung rufen
  • Gemeinsam mit den Mitarbeitern eine Perspektive entwickeln/anbieten für die nächsten Schritte/Ziele
  • Führungsstärke zeigen und Verantwortung übernehmen

Durch regelmäßige Kommunikation mit allen Teammitgliedern (aktives Zuhören!) drücken Sie Wertschätzung und Verständnis für die Sorgen aus. Dadurch gewinnen Sie das Vertrauen Ihrer Mitarbeiter. Eine wichtige Voraussetzung um Ihre Mitarbeiter für die bevorstehende Veränderung zu motivieren.

Das Team braucht in dieser Phase Orientierung und das bedeutet auch Führungsstärke. Klare eigene Entscheidungen treffen, dort wo notwendig. Gleichzeitig aber auch Mitarbeiter Entscheidungen treffen lassen, wenn dort die Entscheidungskompetenz am größten ist. Versuchen Sie Ihr Team möglichst schnell durch diese Krisenphase zu führen.

Achtung! Mitarbeiter können durch die extreme Angst vor dem Verlust des Bekannten und der Unsicherheit des Neuen in eine Schockstarre verfallen.

Die Notwendigkeit der anstehenden Veränderungen werden dann von den Mitarbeitern ausgeblendet. Mitarbeiter kommen aus dieser Paralyse nur mit externen Unterstützung und nicht durch eigene/innere Motivation.

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Mitarbeitermotivation in der Phase der Erneuerung

Haben die Mitarbeiter die Phase der Verwirrung durschritten erfolgt automatisch der Schritt in die Phase der Erneuerung. Die Akzeptanz für notwendige Veränderungen ist da und die Mitarbeiter sind bereit diese aktiv zu unterstützen. Die einzelnen Mitarbeiter fühlen sich wieder sicher und gewinnen Ihre Handlungshoheit zurück. Aus konstruktiver und kreativer Arbeit entstehen neue Ideen, Arbeitsprozesse Produkte und Dienstleistungen. Einige davon werden sich nicht etablieren. Andere wiederum werden den Veränderungsprozess aktiv und positiv unterstützen.

Mit diesen typische Aussagen, am Beispiel Corona-Krise, erkennen Sie, dass sich der Mitarbeiter noch in dieser Phase befindet:

„Das funktioniert doch auch trotz Corona…“

„Das ist einen Versuch wert..“

„Das ist eine Chance gut durch die Krise zu kommen…“

„Schlimmer kann es nicht werden, also lass es uns ausprobieren…“

Konkrete Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation in dieser Phase sind u.a.:

  • Fördern Sie die Fehlerkultur
  • Motivieren und loben Sie aktiv
  • Persönliche Wertschätzung für jeden einzelnen Mitarbeiter
  • Nehmen Sie in dieser Phase noch mehr die Rolle des Coach Ihrer Mitarbeiter ein
  • Feiern Sie auch kleine Erfolge
  • Schaffen sie den (technischen) Rahmen um Neues zu etablieren

Zeigen Sie auf, dass durch die Kreativität und Produktivität Ihrer Mitarbeiter das Licht am Ende des Tunnels immer heller wird. Die Gefahren und Risiken für das Unternehmen, Ihr Team mehr und mehr durch Chancen und (zusätzliche) Möglichkeiten verdrängt werden.

Mitarbeitermotivation bedeutet auch Fehler ausdrücklich zu zulassen, sorgen Sie nur dafür dass aus den gemachten Fehlern auch gelernt wird. Geben Sie noch mehr Eigenverantwortung in die Hände Ihrer Mitarbeiter. Achten Sie aber auch darauf die Regeln für erfolgreiches Delegieren einzuhalten, damit daraus am Ende nicht Frust, statt Lust wird. Nach überwinden der Krise finden sich alle Beteiligte automatisch wieder in der Phase der Zufriedenheit wieder.

Fazit Mitarbeitermotivation in Krisenzeiten

Für die Führungskraft ist zunächst entscheidend zu erkennen, in welcher Phase sich seine einzelnen Teammitglieder befinden, um Sie ganz konkret unterstützen zu können. Das Bewusstsein, dass keiner eine einzelne Phase überspringen kann und Sie sich und auch einzelnen Teammitglieder in unterschiedlichen Phasen befinden ist ganz wichtig für die individuelle Mitarbeitermotivation.

Die Krise auch als Gesamtchance zu erkennen ist ein erster wichtiger Schritt, auch wenn dabei manchmal Entscheidungen für Einzelschicksale (Kündigungen etc.) schwer belasten können.

#Machen Sie sich und Ihrem Team deutlich, dass keine Veränderung/Anpassung in dieser Krise keine Option ist! Ein Beharren auf Gewohntem und Bekanntem eher ein Ende mit großem Schrecken nach sich ziehen wird. Nutzen Sie den Impuls, die Chance durch die Krise, bestehende Strategien zu überdenken und zukunftssicherer auszurichten.

Das Positive: Das Unternehmen/das Team, das eine Schlechtwetter-Phase erfolgreich meistert ist in der Sonnenphase viel erfolgreicher als der Wettbewerb. Es geht gestärkt und innovativ aus der Krise. Individuelle Maßnahmen, mit denen Sie Ihre Führungskompetenzen stärken können: Hier erfahren Sie alles über die richtige Auswahl für ein passendes Führungskräfte Training.

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